Der Wert einer guten Hausbank oder wenn Geiz weit weniger geil ist, als uns die Werbung weismachen will!

Den Wert eines Girokontos lernte ich schätzen, als ich im April 2006, nach über 15 jähriger Bankzugehörigkeit mein Konto auflöste.

Ich war von einem Finanzberater einer anderen Bank angesprochen worden. Dieser warb damit, dass bei ihm alles günstiger sei. Ganz nach dem Motto:

"Geiz ist geil"!
"Wissen Sie, warum sich Ihre Bank immer neue, schönere und größere Paläste bauen lässt, um Sie und die anderen Kunden dort bedienen zu können?"
"Und übrigens ist unser Girokonto kostenlos."

Nach der Aufzählung der "positiven" Argumente, den Geiz in mir geweckt, ließ ich mich auf den Versuch ein, kündigte mein Altes und eröffnete ein neues Girokonto bei dieser Bank.

Den ersten Kompromiss musste ich bei der Einräumung des Dispositions - Kredites eingehen.

Aber da ich sicher war, den Rahmen sowieso nicht ausschöpfen zu müssen, konnte ich mit dem kleinen Dispo sehr gut leben. Wenigstens bis zum übernächsten Monat.

Da zwang mich ein unvorhersehbares Ereignis nun doch dazu den Kredit nicht nur auszuschöpfen, sondern überziehen zu müssen. Vorsorglich erkundigte ich mich allerdings beim Verkaufsberater für Finanzdienstleistungen, Herrn G., ob dies, wie bei meiner alten Hausbank nach einem kurzen Gespräch, so ohne weiteres möglich sei. Ich erklärte ihm meine Situation am Telefon. Er gab mir zwei Möglichkeiten zur Auswahl.

1.Die schnelle Variante,über eine speziell dafür eingerichtete Telefonhotline.
2.Die etwas zeitintensivere, persönliche Terminabsprache.

Ich entschied mich für die schnelle Möglichkeit, rief an und erzählte der freundlichen Stimme am anderen Ende der Leitung von meinem unvorhersehbaren Ereignis, und das ich nun eine Erhöhung meines Dispos auf 2000 € benötigte.

Normalerweise kein Problem sagte die Gesprächspartnerin, aber erstens sind sie noch nicht lange bei uns und zweitens haben sie, wie ich hier am Computer sehe, eine Baufinanzierung bei uns.

Ich konnte mich nicht daran erinnern bei Ihnen eine Baufinanzierung abgeschlossen zu haben, sondern knapp ein Jahr zuvor bei der Xy Bank, entgegnete ich. Aber das ist doch eine Tochtergesellschaft von uns. Und aus diesen Grund könne auch nur der Finanzberater, der die Baufinanzierung genehmigt hat, über die Höhe des Dispos entscheiden. Ich würde die Entscheidung aber spätestens am folgenden Werktag auf meinem Online - Konto erkennen können.

Damit war ich erst einmal zufrieden.

Dies änderte sich allerdings schlagartig, als ich am darauf folgenden Werktag die Höhe meines Dispos sah. Genau die Hälfte, also 1000 € waren mir gewährt worden. Sofort machte ich mich auf den Weg in die Stadt zur Bank und fand Denjenigen, der mich zum Wechsel des Girokontos überredet hatte.

Wie alle anderen Kunden, stellte ich mich in der Menschenschlange an und gab meinen Brief ab. Dann sagte ich eher beiläufig, aber dennoch mit einem dringlichen Unterton, dass mir mein neues Girokonto und vor allem der mir eingeräumte Dispokredit überhaupt nicht gefiele. Es fiel mir zu meiner Misere ein Gleichnis ein, dass ich ohne auf die hinter mir länger werdende Schlange zu achten, unbedingt loswerden musste.

Ich sagte: "Herr P. Das was Sie hier versuchen mit mir zu veranstalten, ist das gleiche als wenn wir beide einen Zweitagesmarsch durch die Wüste machen. Aus irgend einem Grund verliere ich mein Wasser und ich bitte Sie mir, da sie genug davon besitzen, einen Teil ihres Wassers zu leihen.
Aber statt der benötigten 2 ,geben sie mir genau einen Liter. Sie können sich sicherlich vorstellen was sie damit anrichten.

„Ich glaube sie benötigen einen Termin bei Herrn G. entgegnete mir Herr P..“ Den Termin erhielt ich gleich 2 Stunden später und Herr G. machte mir Hoffnung. Er wolle noch einmal mit den Entscheidungsträgern sprechen.

Durch meine berufliche Situation konnten wir uns erst eine Woche später treffen. Der Termin der ersten großen Zahlung kam näher.

Als ich Herrn G. in der übernächsten Woche traf bekam ich von ihm eine Absage.

Er wüsste nicht woran es läge, aber der Dispo könne nicht erhöht werden, da mich diese Bank nicht zu denjenigen zählen möchte, die ihr viel Geld schuldig blieben.

Toll dachte ich, die lassen mich in der Wüste verdursten. Nun entgegnete ich, dann ist ihr Konto aber doch teurer als mein altes Giro bei der LzO, denn wenn ich die Überziehungszinsen für einen überzogenen Dispositionskredit mit den monatlichen Gebühren für mein altes Konto vergleiche..., aber egal..

Äh, bis zu welcher Höhe würde denn eine Überziehung des Dispos geduldet, fragte ich Herrn G. direkt?

Gar nicht erwiderte Herr G. irgendwie spitzbübisch.

Und was würde mit fälligen Zahlungen geschehen, war meine Frage.

Die würden storniert, sagte er unmissverständlich.

Dies war mir nun doch ein wenig zu viel des "Guten"!

Ich wünschte dem Herrn G. noch einen schönen Tag und verließ fluchtartig seinen Glaskasten.

Des Teufels Küche war nicht mehr weit entfernt.

Aber nun verstehe ich, weshalb man einem Kunden dieser Bank, der monatlich mindestens 2500 € auf das Giro einzahlt, die Kosten für das Aktiendepot schenkt und demjenigen, dessen Tätigkeit in der Gesellschft weniger Ansehen geniest und damit auch niedriger entlohnt wird, in Rechnung stellt.

Wenn man mir das gleich gesteckt hätte, dass ich dem gewünschten Kundenprofil nicht entspreche, so müsste ich hier nicht schreiben, das mich dieses dumpfe Gefühl beschleicht, dass gerade diese Bank bewusst versucht hat mich, ihren guten, neuen Kunden, in Misskredit zu bringen.

Fazit:
Dieses Konto kostet auf den ersten Blick wirklich kein Geld, aber es kann Dich Deinen guten Ruf kosten, und der ist, denke ich, mehr Wert als 4€ Kontoführungsgebühr im Monat.

Ich ging noch in der gleichen Stunde zu meiner alten Hausbank, bekam meinen alten Dispokredit eingeräumt und auch gleich eine Kreditkarte, für die ich bei der neuen, alten Bank drei Anfragen tätigen musste.

Ich lasse meine Hausbank jetzt gerne etwas an mir verdienen. Lass sie doch mit diesem Geld ein neues Bankgebäude bauen, auch wenn dieses absolut nicht ins Dorfbild passt.

Aber wen interessiert das schon.